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DAB+: Privatradios in Mecklenburg-Vorpommern (1/2)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Den vor allem finanziellen Problemen eines flächendeckenden DAB+-Simulcasts für kommerzielle Sender setzte die Medienanstalt MMV 2021 für Deutschland Neues entgegen: In Rostock soll noch 2021 ein nichtkommerziell konzipierter Multiplex on Air gehen.

Im Gebiet der Hansestadt leben etwa 209.000 Menschen. Das ist jeder achte der 1,6 Mio. Bürger und die stärkste Bevölkerungskonzentration im Bundesland. Insofern ist Rostock für den Hörfunk und seine terrestrische Verbreitung der wirtschaftlich interessanteste Teil Mecklenburg-Vorpommerns.


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Rechnet man die Daten aus dem Digitalisierungsbericht Audio 2020 der Landesmedienanstalten für die Nord-Bundesländer nach, bleiben für MV immerhin 176.000 Haushalte mit DAB+-Geräten. Die Hybridradiopflicht
wird ein Übriges beitragen, um das Hörerpotenzial zu steigern.

Deutschland-Premiere: Plattform mit nichtkommerziellem Betreiber

Der absehbare Trend könnte in erster Linie die beiden im Land beheimateten Privatradios Ostseewelle (sendet in Rostock mit 100 kW über UKW) und 80s80s MV (Ex Antenne MV, 130 kW) zum Einstieg bei DAB+ stimulieren. Regiocast, die Mutterfirma von 80s80s MV, ist auf DAB+ national und in vielen Bundesländern ohnehin sehr aktiv. Mit geringer Leistung unter einem kW senden außerdem
DAB+-Ausstattung.
Grafik: Digi-Bericht Audio 2020 (klicken zum Vergrößern).
Schlagerradio, Radio Teddy, Lounge Plus, Radio Paradiso und Sunshine Live sowie Radio LOHRO am Senderstandort Rostock-Toitenwinkel über UKW.

Beachtenswert wird dieses DAB+ hier durch ein erstmals in Deutschland gewähltes Konzept: Die DAB+-Plattform für die Hansestadt Rostock wurde ausdrücklich für einen nichtkommerziellen Betreiber und nichtkommerzielle Programme ausgeschrieben. Nachdem daher die drei „üblichen Verdächtigen“ gar nicht erst ins Rennen kamen, war die Auswahl nicht groß. Der Zuschlag ging im Juni 2021 an den einzigen Bewerber: Der Kulturnetzwerk e.V. ist Betreiber des Rostocker Freien Radios LOHRO.

„Kein Hexenwerk“ - das NKL-Konzept

Die Nichtkommerziellen mit einem regionalen Konzept nach vorne zu schieben, könnte den Weg aus einem Dilemma zeigen. Für das kommerzielle Geschäftsmodell ist eine großflächige Verbreitung sinnvoll. Ein Simulcast ist jedoch kaum finanzierbar - der Parallelbetrieb bringt kaum mehr Hörer, aber doppelte Kosten. Das ist, wie ausgeführt, in Mecklenburg-Vorpommern besonders problematisch. Weil die Landespolitik DAB+ bisher eher ignorierte, gibt es kein Förderkonzept. Die Medienanstalt kann den Kommerziellen daher nicht unter die Arme greifen - z.B. mit der Förderung technischer Kosten.

Den Freien Radios á la LOHRO, Offenen Kanälen (die von den Medienanstalten betrieben werden) und anderen Nichtkommerziellen nutzt hingegen eine großflächige Verbreitung überhaupt nichts. Das würde im Gegenteil gegen ihre lokal orientierte Aufgabenstellung (mit Bürgerbeteiligungen usw.) wirken, abgesehen von den hohen Kosten. Für die NKLs macht es daher Sinn, über DAB+ und wie UKW in ihren angestammten Sendegebieten zu bleiben - auch, wenn sie das einzige Programm eines lokalen Multiplexes sein sollten.

Laufende Kosten als Herausforderung

„Wir sind total offen“, kommentiert das Philipp Markwardt, Vorstandsmitglied des Vereins und ehrenamtlicher Techniker des Senders. Es gibt in der Region aber offenbar keine interessierten (oder selbst in dem bescheidenen Masse zahlungskräftigen) nichtkommerziellen Anbieter. Das SDR-Konzept reduziert zwar die Verbreitungskosten. Dennoch ist „die Deckung der vollen Laufkosten für den Verein eine Herausforderung, eine zusätzliche, langfristige finanzielle Förderung der Laufkosten für DAB+ ist aktuell noch nicht abzusehen“, schließt Markwardt an. „Das Projekt setzt notgedrungen auf verteilte Unterstützung durch Sympathisanten des Projektes oder freie Gelder unter anderem des Fördervereins.“

Letztlich ist das Projekt aber „kein Hexenwerk“ und habe Vorbildfunktion, meint Markwardt. Die Medienanstalt unterstützte es, seit Kulturnetzwerk damit Ende 2020 an die MMV herantrat. Gelder kämen von der Stadt Rostock, der der Sender am Herzen liege. Auch die Staatskanzlei trage etwas bei. Sie unterstützen das Investment mit zusammen 20.000 Euro.

Netzaufbau, Programmangebot

In der Vorbereitungsphase gilt es zunächst, stellt Markwardt dar, einen geeigneten und kostengünstigen Senderstandort zu finden. Der wird offenbar im Norden der Hansestadt bevorzugt. Denn der zugeteilte Block 10A wird auch in Schweden genutzt und mögliche Überschneidungen müssen in Rostock durch gerichtete Abstrahlung in südliche Richtungen verhindert bzw. minimiert werden. Etwa 2 kW Leistung sollten reichen, schätzt Markwardt, um das UKW-Versorgungsgebiet im Simulcast abzudecken oder - abhängig von der Standort-Entscheidung - sogar über die Stadtgrenzen hinaus etwas auszudehnen.

Wenn alles gut und im Zeitrahmen läuft hofft Markwardt, bis Ende 2021 auf Sendung gehen zu können. Die Zuweisung der Plattform läuft bis Ende 2029 - wie auch die UKW-Zuweisung für LOHRO.

Things to come ...

Lösung für Kommerzielle erforderlich

Ungeachtet des ungewöhnlichen Rostocker Konzeptes dürfen die kommerziellen Privatradios nicht von DAB+ ausgeschlossen werden. Die zuvor genannten in Mecklenburg-Vorpommern beheimateten und die anderen fünf ebenfalls auf UKW aktiven Stationen wären eine gute Grundlage für einen großflächigen Privatradio-Multiplex. Weitere Anbieter werden sich finden, wie sich in anderen Bundesländern gezeigt hat. Ein Sendenetz könnte, ausgehend von den Städten an der Küste, schrittweise auf die Urlaubsregionen und darüber hinaus erweitert werden.

Sender, Landesmedienanstalt und Landespolitik sollten Mecklenburg-Vorpommern nicht weiter ins Hintertreffen geraten lassen. Spät genug ist es. Im Bundesland sind im Juni 2021 schon 36 Stationen digital in der Luft - eine starke Konkurrenz. Und die Nutzung von DAB+-Radios wird aufgrund der Hybridtuner-Vorgabe schneller steigen als bisher.

Things to come ...

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Senderseiten für Mecklenburg-Vorpommern.
Rostocker DAB+-Alleingang mit LOHRO vom 21.7.2021.
MMV korrigiert Rostock-Ausschreibung vom 10.5.2021.

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