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DAB+: Privatradios in den Bundesländern

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Seit dem 1. August 2011 ist der bundesweite Radiomultiplex mit DAB+ auf Sendung und die ARD-Radio sind in den meisten Bundesländern mit DAB+ zu empfangen. Wirtschaftliche Gründe, verschiedene Einschätzung zur künftigen Bedeutung von Übertragungstechniken - aber auch die föderale Struktur Deutschlands - tragen dazu bei, dass die Privatradios die digitale Terrestrik unterhalb der Bundesebene höchst unterschiedlich und teils einander widersprechend beurteilen.

Die Artikel dieses Ende 2019 neu geordneten Bereiches beschäftigen sich mit den Entwicklungen in den Bundesländern.

Platz genug wäre von Anfang an für zahlreiche Verbreitungskonzepte vorhanden gewesen. Deutschland ließ sich vor dem Digitalradio-Neustart im August 2011 bis zu acht Bedeckungen im VHF-Band in Absprache mit den zuständigen Behörden der Nachbarstaaten reservieren.

Erste Planung offen für viele Sendekonzepte

Davon sind zwei für nationale Privatradio-Muxe vorgesehen. Eine bundesweite Abdeckung mit einer auf die Bundesländer abgestimmten Struktur nutzen die Landesrundfunkanstalten der ARD. Weitere sogenannten Layer wurden auf regionale oder lokale Sendegebiete und auf einige Ballungsräume zugeschnitten.

In einigen Bundesländern gelang es frühzeitig, private Multiplexe in die Luft zu bringen. In anderen Ländern stell(t)en die ARD-Anstalten einzelne Programmplätze ihrer Multiplexe für die zunächst noch wenigen interessierten Privatradios zur Verfügung, bis für diese eigene Multiplexe etabliert werden konnten. Nur aus zwei Bundesländern gibt es jedoch erhebliche Widerstände und Verhinderungsstrategien gegen DAB+.

Eine Wirkung der Verweigerungsstrategien oder der späten Bemühungen, Privatradios auf die DAB+-Spur zu setzen, besteht darin, dass
Blockkonzept DAB+
Das ursprüngliche Multiplex-Konzept von 2010. Grafik (klickbar): Archiv dehnmedia.
zwischenzeitlich Frequenzen an Nachbarstaaten oder benachbarte Bundesländer abgegeben werden mussten. In einigen Fällen schränkt das Fehlen dieser Frequenzen u.U. Regionalisierungskonzepte in Bundesländern, wo die Privatsender erst spät einsteigen werden.

Der Zug ist aber längst in Richtung DAB+ abgefahren. Sogar der Industrieverband Vaunet, in dem zahlreiche Radioveranstalter Mitglieder sind, konnte sich im Spätsommer 2019 der Erkenntnis nicht verschließen, dass DAB+ einen „point of no return“ überschritten hat. Dueser letzte Schritt imRückzug aus der Verweigerungshaltung geschah vor dem Hintergrund des gerade veröffentlichten Digitalisierungsberichtes Audio 2019 der Medienanstalten. Dort wurde Mitte 2019 ermittelt, dass die Haushaltsausstattung mit DAB+-Radios rund 22,7 Prozent erreicht hat. Ab 2021 wird sowohl für den Gerätebestestand als auch für die Nutzung von DAB+ ein weiterer Sprung erwartet. Dann sind
DAB+-Ausstattung.
Grafik: Digi-Bericht Audio 2019 (klicken zum Vergrößern).
Digitaltuner in Radios mit Anzeige des Sendernamens und in den Autoradios von Neuwagen Pflicht.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Bundesländern

Das föderale Prinzip des Grundgesetzes bestimmt die Verteilung von Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern. Auf dieser Grundlage liegt die „Rundfunkhoheit“ bei den Bundesländern. Daher haben sich die Radiolandschaft unterschiedlich entwickelt und es gibt unterschiedliche Einschätzungen zur Zukunft der Radioterrestrik. Ein Extrem ist die konsequente politische Unterstützung und Förderung des DAB+-Einstiegs aller Privatradios in Bayern. NRW setzt die Marke auf der Gegenseite mit der Forderung der 44 UKW-Lokalradios, ihre Wettbewerbsfreiheit nach DAB+ zu transferieren; die teuren (weil nur von wenigen Radios genutzten) Multiplexe sollen durch Förderung wirtschaftlich tragfähig gemacht werden.

In einigen Bundesländern fehlt jedoch die Rechtsgrundlage für eine derartige Förderung. Dennoch gibt es seit 2011 in vielen Bundesländern Multiplexe für die Landes- oder die lokale bzw. regionale Ebene - auch ohne öffentlichen Zuschuß. „Nachzügler“ wie das Saarland und Schleswig-Holstein setzen ihre Privatsender ab 2019/2020 auf DAB+. Thüringen kündigt zeitgleich Aktivitäten an und in NRW scheint die seit 2011 geübte Blockadehaltung 2019 etwas aufgeweicht. Die Schlußlichter bilden Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Verschiedene Konzepte für die Verbreitung kommerzieller Radiosender

Dieser uneinheitliche Status spiegelt sich in den Konzepten wider, mit denen man den Einstieg bei DAB+ und die längerfristige Mitwirkung privater Radioprogramme erreichen will. Dazu hier einige Schlaglichter:
Kooperation
mit der ARD
Es handelt zumeist um Testprojekte mit begrenzter Laufzeit - längstens bis zum Start landesweiter Multiplexe. Praxis ist das in Rheinland-Pfalz, NRW (bis Ende 2019), Sachsen und ab Ende 2019 in Schleswig-Holstein. Im Saarland wechselt Radio Salü Ende 2019/Anfang 2020 in den Privatmux.
Gemeinsame Netzkonzepte Seit Mitte 2017 wird in Bayern gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk ein Sendenetz-Konzept realisiert, um ab 2020 alle Privatradios des Freistaats parallel auf DAB+ zu platzieren. Das wird durch Förderungen untersetzt. Dafür stellt der BR einen Programmplatz in seinem landesweiten Mux und weitere in seinen regionalen Angeboten zur Verfügung. Diese sechs Muxe ergeben zusammen eine landesweite Abdeckung, und in allen werden vier Privatsender und einige Lokalradios übertragen. Vier Stadt-Multiplexe und zwei regionale Multiplexe im Süden, betrieben von Bayern Digital Radio, transportieren regionale Privatradios.
Privatradio-Mux Üblicherwweise schreiben die Medienanstalten Programmplätze aus und weisen den erfolgreichen Bewerbern entsprechende Frequenz-Ressourcen zu. Gleiches geschieht, wenn ein Programm zu ersetzen ist. Der Netzbetreiber fungiert als technischer Dienstleister. Praxis ist das u.a. in Hessen, Berlin und Brandenburg, Baden-Württemberg sowie in Sachsen-Anhalt.
Plattformen Die Medienanstalten beauftragen ein Unternehmen sowohl mit der technischen Abwicklung des Sendebetriebes als auch mit der Zusammenstellung der Programmangebots. Die Programme unterliegen Vorgaben der Landesmedienanstalt und müssen medienrechtlich zugelassen sein. Änderungen des Angebots kann der Plattformbetreiber im vorgegebenen Rahmen relativ formlos selbst vornehmen. Praktiziert wird das in Hamburg, Bremen und ab Ende 2019/Anfang 2020 im Saarland.
Small Scale
(SDR)
„Software Defined Radio“ ist ein technisches Konzept aus der Schweiz. Mittels Kleinleistungssendern und frei verfügbarer Software kann Lokalradios ein skalierbares und kostengünstig zu versorgendes Verbreitungsgebiet angeboten werden. Für ein Projekt in Sachsen wurden die Stadtgebiete von Leipzig und Freiberg ausgewählt. Ein inoffzielles Projekt läuft in Rheinland-Pfalz. In drei Regionen Schleswig-Holstein sollen ähnliche Verfahren erprobt werden.
Weitere Informationen zu Small Scale DAB+.
Zeitbasierte
Trennung
Auf UKW ist das wegen der nebeneinander liegenden unterschiedlichen Frequenzen problemlos. Bei DAB+ braucht diese Form der Trennung während der lokalen Inhalte und Werbung zusätzliche Bandbreite, die nicht immer vorhanden ist. Wenn - wie in Sachsen-Anhalt - nur sechs (Haupt-)Programme senden, wird das Qualitätsproblem reduziert. Ähnlich ist es im Bayern-Mux Voralpenland, wo Charivari Rosenheim im Rahmen eines Tests für fünf Lokalvarianten die Bandbreite dreier Programmplätze nutzt.
Lokalbasierte
Trennung
Ein Projekt in Niedersachsen zeigte, dass ein örtliches „Nebeneinander“ mehrerer Lokalvarianten von verschiedenen Sendestandorten eines Gleichwellennetzes aus prinzipiell machbar ist. Es sind allerdings einig Tücken zu beachten.
Weitere Informationen zum Modellversuch.
Frequenzbasierte
Trennung
Der NDR konzipierte für seine vier Bundesländer ein Sendenetz aus zahlreichen Frequenzinseln. Die über UKW verbreiteten lokalen Angebote können so ohne Auseinanderschaltungen oder technischen Tricks nach DAB+ übernommen werden. Mit vier Regionalisierungen begann der NDR die Umsetzung Anfang 2019 in Mecklenburg-Vorpommern.
Permanente
Trennung
Das verschlingt rund um die Uhr die volle Bandbreite für jede Lokalwelle, obwohl die lokalen Sendungen vielleicht nur kurze Zeit dauern. Das ist nicht nur teuer, sondern begrenzt auch die Vielfalt des Programmangebots. Es fubnktioniert aber, wie in Sachsen-Anhalt, wenn sich nur zwei Programmfamilien die Ressourcen teilen und erheblich gefördert werden.

Einstieg der ARD-Radios wurde 2013 abgeschlossen

Die damalige WDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Monika Piel hatte im Februar 2011 eine erste Ausbaustufe des ARD-Sendenetzes für DAB+ bis Anfang 2013 angekündigt. So konnten die meisten ARD-Anstalten im August 2011 - zeitgleich mit dem nationalen DAB+-Multiplex - erste DAB+-Sendeanlagen in Betrieb nehmen und ihre Sendenetze danach schrittweise ausbauen. Lediglich der Saarländische Rundfunk (2012) und Radio Bremen (2013), die beiden kleinsten ARD-Anstalten, stiegen später ein. In einigen Bundesländern konnte man die vorhandenen Testsender für das DAB (alt) benutzen.

Zur Vervollständigung hier ein Überblick zum Start und Status der ARD-Radios bei DAB+. Wie die vier Stationen von Deutschlandradio im Bundesmux werden diese Programme, die Investitionen in Technik und die Betriebskosten der Verbreitung aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. Das betrifft auch den schrittweisen Ausbau der Sendenetze, der sich 2019 wesentlich auf die Schließung von Versorgungslücken und die Verbesserung des Inhouse-Empfangs konzentriert.

BRAnf. 2011Schrittweiser Aufbau einer Senderkette im Block 11D und Umstieg der DAB (alt)-Programme in Block 12D auf Block 11D und DAB+. Ab 2017 Aufbau eines zweiten landesweit ragionalisierten Netzes unter Einbeziehung von Privatradios.
MDR1.8.2011Start mit sechs Wellen; Netzausbau bis 2016. MDR 1 mit je vier Regionalisierungen für Thüringen, Sachsen bzw. Sachsen-Anhalt. Neue Digitalsender: Meine Schlagerwelt ab 9/2016; MDR Tweens ab 12/2018.
WDR1.8.2011Die zuvor mit DAB (alt) gesendeten sieben Programme wurden in dem bestehenden großen Sendenetz nach DAB+ überführt.
SWR1.8.2011Start in Stuttgart und Heidelberg/Mannheim. In Baden-Württemberg ab 2018 Aufteilung auf drei Kanäle, um acht Regionalisierungen von SWR4 zu ermöglichen. Zwei private Programme im Mux für Rheinland Pfalz. Die Muxe für beide SWR-Länder werden 2019/2020 ausgebaut.
RBB2.9.2011Aufschaltung der RBB-Wellen sowie WDR2 im Block 7D. 2018 organisiert der RBB sein Programmangebot neu auf zwei Länder-Multiplexen mit diversen Lokalisierungen und Stationen von Schwesteranstalten. Der Brandenburg-Mux ist auch in Berlin zu empfangen.
NDR22.11.2011Der NDR startete mit zunächst fünf Programmen, darunter NDR1 mit Regionalisierungen über mehrere regionale Frequenzen. 2012 kamen die Digitalkanäle NDR Traffic, NDR Blue und NDR Info Spezial (partagiert mit WDR Cosmo, Seewetter, ARD Infonacht, Fußball und Bundestag) dazu. NDR Traffic wurde 2016 durch NDR plus ersetzt.
HR1.12.2011Start mit sechs Programmen. Auseinanderschaltungen bei HR4 für Nord, Süd und Mitte seit Juni 2018. Der Netzausbau läuft 2019 weiter.
SR1.2012„Den Start des bundesweiten Multiplexes werden wir zunächst nutzen, unser Angebot von Zusatzinformationen zeitnah auszuweiten.“ (20.7.2011) Umstieg auf DAB+ und WDR-KiRaKa ab Ende 2012. Gast auf dem Kanal ist (bis zum Start des Privat-Muxes 2019/2020) das private Lokalradio Salü.
RB1.2.2013Der Start erfolgte mit vier Programmen zunächst für Bremen als letzte ARD-Anstalt. Vom WDR werden Cosmo und KiRaKa übernommen. Ereigniskanal Bremen5 und Erweiterung der Versorgung auf Bremerhaven ab 2/2017.



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