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DAB+ - Der nationale Mux 2 in den Startlöchern (1/4)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Durch die Beilegung des Rechtsstreits wurde der Weg für den zweiten Bundesmux endlich frei. Das Konsortium Antenne Deutschland nahm die nationale Programmplattform am 5. Oktober 2020 mit zunächst acht Programmen in Betrieb.

Sechs der 16 Programmplätze hatte der Antenne-Partner Absolut Radio von vornherein für sich blockiert. Einmalig ist die Beauftragung eines externen Unternehmens mit der Auswahl der verbleibenden zehn Plätze. Damit wurde die offenbar eigens gegründete Leipziger National German Radio GmbH beauftragt. Sie begann ihre Arbeit mit einer Meldefrist im März 2020, in der sich Bewerber vorstellen und ihre Kapazitätswünsche nennen konnten. Die akzeptierten Interessenten erhielten ein Kostenangebot und einen Vertragsentwurf. Ende Juni 2020 sollte alles unter Dach und Fach sein.

Aufruf auch an ausländische und branchenfremde Interessenten

National German Radio warb u.a. mit der letzten Gelegenheit, Radioprogramme deutschlandweit zu platzieren. Das zu „extrem günstigen Verbreitungskosten (...) etwa auf dem Niveau eines landesweiten UKW-Programms“, so Geschäftsführer Erwin Linnenbach, der später auch als Teilhaber bei NGR einstieg.

Mit seinem Partner, dem Investor József Bugovics, versprach er den Interessenten ein lohnendes Investment. Die nationalen Radios werden „erhebliche neue Werbegelder für den deutschen Hörfunk generieren“ und könnten zudem Werbeausgaben aus anderen Radio-Bereichen abziehen. Das sei für „marktgetriebene Zielgruppenprogramme“ ebenso attraktiv, wie „für branchenfremde Unternehmen, wie z.B. Streaming-Dienste, Versandplattformen oder Einzelhandelsketten, welche die letzte Meile zum Verbraucher kommunikativ kontrollieren wollen“. Nicht zuletzt sei dieses Investment lohnend, weil von Beginn an bis zu 67 Mio. Menschen mit den Werbebotschaften bespielt werden.

Dieser Wink mit dem Zaunpfahl des Profits wurde gesehen. Laut einer Meldung von Ende März 2020 wollen „mehrere hochkarätige Unternehmen, die bisher nicht im Radiogeschäft tätig waren, in den Hörfunk investieren und haben ihr Interesse am zweiten nationalen DAB+-Multiplex bekundet“. Sie werden von Ole von Beust vertreten. „Es wird künftig Hörfunkformate geben, die in anderen Ländern der Welt hohe Marktanteile haben und in Deutschland bisher regional nicht möglich waren“, wird der Anwalt und vormalige Erste Bürgermeister Hamburgs zitiert.

Für etablierte deutsche Programme dürfte der Einstieg kein Problem sein, es wäre nur eine Leitung für die Zulieferung zu organisieren. Ausländische und branchenfremde Anbieter müssten eine nationale oder EU-weite Zulassung vorlegen bzw. beantragen. Die nationale Zulassung und eine Zuliefer-Leitung benötigen natürlich auch deutsche Interessenten. Mögliche Newcomer im Radiobereich müssten ihre Projekte aber erst einmal zur Sendereife entwickeln.

Acht Programme unter Vertrag

National German Radio gab im Juli 2020 die ersten acht Programme bekannt, für die Verträge abgeschlossen wurden. Von diesen gingen vier bereits zum Ensemblestart am 5. Oktober 2020 auf Sendung:
Das nach eigenen Angaben meist gehörte Privatradio Deutschlands ist auf DAB+ bayernweit im BR-Multiplex zu empfangen.
Der Jugendableger von Antenne Bayern ist in den regionalen BR-Muxen und außerhalb des Freistaats in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Hessen sowie gemeinsam mit einem regionalen Partner in Hamburg auf DAB+ vertreten.
„Deutschlands Hit-Radio“ (Ex: Radio Luxemburg) ist über Astra, auf zwei UKW-Frequenzen und online zu hören - jetzt also auch national per Antenne.
Der Kindersender ging erst Mitte Juni 2020 als Audio-Ableger der Zielgruppen-Inhalte Super RTL auf Sendung und wird bisher im Internet oder via App verbreitet.
Den Sendebetrieb beginnen diese Programme nach dem 5. Oktober 2020:
Upgrade 12/2020: Der Radio-Newcomer „von WIM“ ist ein Projekt der Wolffberg International Media GmbH, an der Erwin Linnenbach beteiligt ist. Seit dem 1. Januar 2021 will man vor allem Autofahrer bedienen. Linnenbach ist auch Geschäftsführer und Teilhaber von National German Radio und von Sportradio Deutschland.
Upgrade 12/2020: Nostalgie ist die dritte Welle mit Schwerpunkt auf Songs der 70er bis 90er Jahre. Der Start erfolgte am 4.1.2021. NRJ nutzt die Marke bereits in anderen Staaten. Die NRJ-Gruppe ist mit einem Programm im ersten Bundesmux und weiteren auf regionaler Ebene einer der DAB+-Pioniere.
Nachmeldungen zum Programmangebot:
Upgrade 12/2020: Das Formatradio ist den DAB+-Hörern in Hamburg seit 2015 bekannt und startete am 1. Dezember 2020.
Upgrade 2/2021: Dieser Sparten-Ableger von Klassikradio bringt seit dem 1. Februar 2021 das bisherige Webradio mit Film- und Serienmusik zur Terrestrik.
Upgrade 4/2021: Der Frauensender von Teutocast, Schwesterfirma von NGR, heißt Femotion und sendet ab dem 13. Mai 2021.
Der 24/7-Spartensender rund um Sport und verwandte Themen soll Mitte 2021 sendereif sein. Betreiber ist eine Schwesterfirma von National German Radio.
Absagen der Teilnahme:
Upgrade 2/2021: Der Spartenkanal für Comedy und Hits wurde Anfang Februar 2021 aus der Senderliste des 2. Bundesmux gestrichen. Das 2014 als Webradio gegründete Programm sendet seit Dezember 2019 digitalterrestrisch in den beiden Hessen-Multiplexen.
Upgrade 2/2021: Die Vorbereitungen wurden im Januar 2021 eingestellt. Das Spartenradio eines Instore-Radio Veranstalters sollte auf Hand- und Heimwerker zielen.

Erste Programme von Absolut Radio

Von den sechs Programmen, die Absolut Digital (gehört zur Neue Welle-Gruppe) beisteuert, wurden später zunächst vier genannt, die zum Start des Multiplexes auf Sendung gehen. Absolut Hot ist DAB+-Hörern in Bayern und Hessen bereits bekannt. Zwei weitere Spartenradios sind bereits als Webradios aktiv. Neu ist der Musikkanal Absolut Top. Schon 2017, während
Die vier Absolut-
Wellen zum Start.
der Ausschreibungen, kündigte Absolut Digital neue Formate an; von einem Talkradio und einem User-Generated-Radio war die Rede. 2020 war davon noch das Talkradio übrig, zudem sich als Absolut-Programm Nummer 6 ein ebenfalls neu zu konzipierender Sportsender gesellen soll.

Reduziertes Programmangebot zum Start am 5. Oktober 2020

Der Sendestart war frühzeitig anlässlich der Berliner Funkausstellung Anfang September 2020 angekündigt worden. Die Corona-Krise kam dazwischen. Die IFA 2020 wurde erheblich verkürzt und als brancheninterner Event konzipiert. Damit war diese Gelegenheit für einen massiven PR-Paukenschlag entfallen. Möglicherweise brachte Cronona auch Verschiebungen beim Aufbau des Sendenetzes. Erst Ende September 2020 wurde der 5. Oktober 2020 als Starttermin offiziell bekannt gegeben.

Natürlich wird für neue Programme eine längere Vorbereitung (als seit dem Vertragsabschluß Ende Juni) benötigt, um die Konzeptarbeit abzuschließen, Personal zu finden, Räume und Technik zu beschaffen usw.

Antenne-Geschäftsführer Joe Pawlas bestätigte entsprechend frühere Vermutungen, dass ein Gutteil der angekündigten Programme erst 2021 sendfähig sein wird. Das betrifft die Newcomer unter den Drittanbietern Drivers Classics, Energy2 und ProfiRadio sowie das Talk- und das Sportradio von Absolut. Der von Pawlas angedeutete spätere Start des bereits in Hessen aktiven Comedykanals JokeFM könnte dagegen auf die Absicht zurück zu führen sein, dass man die Doppelverbreitung im Bundes- und den Hessen-Muxen aus Kostengründen so kurz wie möglich halten will.

Anders formuliert ging der 2. Bundesmux am 5. Oktober 2020 erwartungsgemäß mit folgenden Programmen On Air:

Das neu zu entwickelnde Profi Radio gab seine Beteiligung Anfang Februar 2021 auf; das wurde mit dem Wegbrechen des Werbemarktes durch Corona begründet. JokeFM wurde zeitgleich von Antenne Deutschland aus der Programmliste gestrichen. Hintergründe wurden nicht bekannt.

71 Sendestandorte in erster Phase / Netzaufbau mit Subunternehmer

Bei der Bedarfsanmeldung im Jahr 2016 hatte die Bundesnetzagentur Eckwerte für den Ausbau des Sendenetzes vorgegeben. Diese Auflagen für den Aufbau des Sendenetzs ähneln denen für den ersten nationalen Multiplex. Der Plattformbetreiber muss folgende Auflagen erfüllen:
Zum Sendestart:80 Prozent der Bevölkerung jeder Landeshauptstadt der beteiligten Länder. 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit, „ausgelegt für guten Empfang in Gebäuden“.
24 Monate später:Zusätzlich 40 Prozent der Bevölkerung mit 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (indoor) sowie 50 Prozent aller Autobahnstrecken mit 99 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (mobil).
6 Jahre später:70 Prozent der Bevölkerung Deutschlands mit 70 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (indoor) und 90 Prozent aller Autobahnen mit 99 Prozent Ortswahrscheinlichkeit (mobil).

Antenne Deutschland hatte schon im März 2019 dargestellt, dass zum Start des Multiplexes 71 Sendestandorte in Betrieb sein sollen. Die Karte von Media Broadcast (klickbar) gibt einen Eindruck von dieser Planung.

Zum Beginn der Akquise interessierter Programmanbieter Anfang März 2020 hieß es, von Beginn an würden 67 Mio. Einwohner bzw. 83 Prozent der Bevölkerung im Modus mobile outdoor und im Indoor-Empfang 67 Mio. Einwohner (61 Prozent) versorgt. Der Mux soll desweiteren auf 85 Prozent der Bundesautobahnen empfangbar sein. Dies wurde Mitte September 2020 bestätigt; Einschränkungen betreffen sieben Standorte. Davon werden fünf bis Anfang Dezember zugeschaltet. Die beiden letzten der Ausbaustufe folgen im Januar und April 2021. „Ein weiterer Ausbau ist mit steigender DAB+ Nutzung im Laufe der kommenden Jahre geplant“, kündigte Media Broadcast als Netzbetreiber von Antenne Deutschland an.

Im Gegensatz zum ersten Bundesmux konnte kein bundesweit einheitlicher Frequenzblock vergeben werden. Daher wurden vier Versorgungsgebiete festgelegt:
Block 5D: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, NRW (Ost), Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Bayern (Nord).
Block 8C: Baden-Württemberg (Südwest).
Block 9B: NRW (West), Hessen, Baden-Württemberg (Nord), Rheinland-Pfalz, Saarland.
Block 12D: Baden-Württemberg (Südost), Bayern (Süd).

Interessant war eine nur wenig später publizierte Pressemeldung des Sendenetzers Divicon Media. Media Broadcast schafft das Mammutwerk offenbar nicht aus eigener Kraft und nahm die Leipziger Spezialisten unter Vertrag. Diese werden nun 36 Sendeanlagen - also immerhin das halbe Sendenetz - errichten und zeichnet danach „verantwortlich für den zuverlässigen Betrieb dieser Senderanlagen, inklusive Senderüberwachung und technischem Service“.

Der Netzausbau nach dem Sendestart

Zum Sendestart wurde mit 64 der geplanten 71 Sendeanlagen gearbeitet. Hier die weiteren Inbetriebnahmen dieser ersten Ausbaustufe.
DatumStandort (Bundesland)BlockLeistung

17. NovemberOchsenkopf (Bayern)5D10 kW
30. NovemberAalen (Baden-Württemberg)9B10 kW
2. DezemberBamberg (Bayern)5D10 kW
9. DezemberBornberg, Trier (Rheinland-Pfalz)5D5 kW, 2,5 kW
23. DezemberErfurt-Stadt (Thüringen)5D1 kW
2021
18. FebruarMolbergen (Niedersachsen)5D5 kW
3. MaiDaun/Eifel (Rheinland-Pfalz)9B0,5 kW
Mai 2021Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern)5D8 kW

Der Erfurter Sender wurde in den ursprünglichen Planungen nicht genannt und ging zeitgleich mit dem für den Bundesmux 1 on air. Auf Initiative des Radioherstellers Technisat wurde nahe dessen Firmenzentrale in Daun/Eifel am 3. Mai 2021 eine Sendeanlage in Betrieb gesetzt. Die Planung von Antenne Deutschland für das Sendenetz endet im Mai 2021 mit der Aufschaltung am Standort Schwerin. Weitere Planungen zum Ausbau des Sendenetzes sind Ende Februar 2021 nicht bekannt.

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Programm- und Senderseiten für beide Bundesmuxe.
Jede Menge Nostalgie, aber digital. vom 4.1.2021.
80s80s ab 1. Dezember im Bundesmux 2. vom 16.11.2020.
Der 2. DAB+-„Bundesmux“ ist auf Sendung. vom 5.10.2020.
Vor dem Start des 2. nationalen DAB+-Muxes. vom 2.10.2020.
Divicon sendet für Media Broadcast. vom 18.9.2020.
Media Broadcast gibt Sendenetz bekannt. vom 17.9.2020.
Kieler Firma im Bundesmux 2. vom 3.9.2020.
8 Programme für Bundesmux 2 bekannt vom 10.7.2020.
Branchenfremde vor dem DAB+-Einstieg? vom 27.3.2020.
Bundesmux 2 - neue Player für den Radiomarkt? vom 19.3.2020.
Erste Informationen zum Sendenetz vom 3.3.2020.
Bewerbungen für den Bundesmux 2 jetzt möglich vom 2.3.2020.
Programmsuche für 2. Bundesmux startet (2) vom 28.2.2020.
Programmsuche für 2. Bundesmux startet (1) vom 27.2.2020.
DAB+ ist ein „Turbo-Booster“ für UKW-Sender vom 12.2.2020.
Bundesmux 2 startet zur IFA 2020 vom 5.2.2020.
Überraschende Einigung beim 2. Bundesmux (4) vom 30.1.2020.
Überraschende Einigung beim 2. Bundesmux (1) vom 29.1.2020.

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