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Aus der Geschichte des Rundfunks (1990 - 1999)

Abreisskalender
FŘr den Zeitraum von 1990 bis 1999 wurden 65 von insgesamt 730 Ereignissen aus der Geschichte von fernsehen und Radio und zu verwandten Themen ausgewńhlt. Die letzte ─nderung erfolgte am 27.06.2022.


Quellen sind Materialien des Deutschen Rundfunk-Museums Berlin (u. a. die 1985 erschienene BroschŘre „Fernsehen - Von der Vision zum Programm“), Infos der Gesellschaft fŘr Unterhaltungselektronik (gfu), die Chroniken der ARD-Anstalten und des ZDF, Wikipedia&Co sowie Unterlagen aus eigenem Archiv. Aktualitńten werden unregelmń▀ig eingearbeitet. Die ▄bersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollstńndigkeit.

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1990Im Zuge der beginnenden Privatisierung des Post- und Fernmeldewesens in Deutschland ├╝bernimmt die Deutsche Telekom die Zust├Ąndigkeit f├╝r den Betrieb von Funkanlagen f├╝r Radio und TV in den alten und neuen Bundesl├Ąndern von den Postministerien der BRD und der DDR.
1.1.1990Der Videotext-Feldversuch wird beendet, nach mehr als zehnj├Ąhriger Vorbereitungs- und Testphase beginnt der Regelbetrieb. Sendepausen werden mit ÔÇ×Videotext f├╝r alleÔÇť gef├╝llt - einer Schleife mit ausgew├Ąhlten Seiten, gesendet als normales TV-Signal. Die Kooperation mit den Zeitungsverlagen endet.
13.2.1990Nach der Wende in der DDR vereinbaren ZDF/SRG/ORF sowie die ARD und das DDR-Fernsehen den Programmaustausch. Das DDR-Fernsehen f├╝hrt den Videotext ein.
12.3.1990Das DDR-Fernsehen f├╝hrt nunmehr die offizielle Bezeichnung „Deutscher Fernsehfunk“ DFF.
2.11.1990Eine „Nationale HDTV-Plattform Deutschland“ wird gegr├╝ndet, um das hoch aufl├Âsende Fernsehen HDTV in Deutschland auf den Weg zu bringen. Im Verband arbeiten ├Âffentlich-rechtliche und private Sender, Sendenetzbetreiber, Forschungseinrichtungen, Ger├Ątehersteller und Landesmedienanstalten zusammen.
13.11.1990Ein neuer Begriff kommt in die Medienlandschaft: Was das WWW - das World Wide Web - ist, erkl├Ąrt die erste Internetseite info.cern.ch. Sie wurde von dem Physiker Tim Berners-Lee (* 1955) f├╝r das Europ├Ąische Kernforschungszentrum CERN bei Genf geschaffen.
Mehr: Weltpremiere: So sah die erste Website aus.
1991Das Bundespostministerium verzichtet auf die bisher notwendigen geb├╝hrenpflichtigen Einzelgenehmigungen zum Betrieb von Parabolspiegeln f├╝r den Sat-Empfang auch in Privathaushalten.
26.2.1991Tim Berners-Lee pr├Ąsentiert ein Computerprogramm, dass Internetseiten darstellt. „Nexus “ gilt als erster Webbrowser.
28.2.1991Premiere, hervorgegangen aus dem ersten deutschen Bezahlfernsehen Teleclub, und veranstaltet von der Kirch-Gruppe, Bertelsmann und Canal Plus, geht auf Sendung.
3.1991Versuchsweise nutzt RTL f├╝r seine Erotik-Spielshow „Tutti Frutti“ 3D-Elemente. Der Raumeindruck wurde durch Helligkeits-Abstufungen von Vorder- und Hintergrund erreicht.
1.7.1991Die Telekom startet in Stuttgart einen Testbetrieb des digitalen Mobilfunks GSM.
8.1991Erste TV-Ger├Ąte in dem vom Kinofilm abgeschauten Breitbildformat 16:9 sowie PALplus-Testsendungen werden auf der IFA gezeigt.
Die erste Messe nach der Wiedervereingung hat mehr als eine halbe Million Besucher.
25.11.1991Unter dem Namen Hi-Vision startet HDTV in Japan - mit 1.125 Zeilen, 60 Hertz und dem Bildseitenverh├Ąltnis 16:9.
31.12.1991Im Zuge der deutschen Vereinigung am 3.10.1990 und des Einigungsvertrages wurde das DDR-Fernsehen „abgewickelt“. Seit dem 16.10. sendet nur ein Kanal noch provisorisch, die „L├Ąnderkette“. Der Sendebetrieb endet endg├╝ltig am 31.12., 15.000 Mitarbeiter werden entlassen.
31.12.1991Ferngesehen wird nun in Deutschland (alte Bundesl├Ąnder) ├╝ber Antenne (60 Prozent der Zuschauer), Kabel (34%) oder Satellit (7%).
1992Die Moving Pictures Expert Group (MPEG) gibt ein Verfahren f├╝r die Kompression von Bewegtbilddaten bis 200:1 bekannt, das als MPEG-2 bezeichnet wird.
1.1.1992Der Plan einer Dreil├Ąnder-Rundfunkanstalt (NORA) f├╝r Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern scheitert. In Brandenburg nimmt der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) die Arbeit auf. Mecklenburg-Vorpommern steigt in den NDR-Staatsvertrag mit ein. F├╝r Sachsen-Anhalt, Sachsen und Th├╝ringen ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) als ARD-Landesrundfunkanstalt zust├Ąndig.
1.1.1992Die GEZ ├╝bernimmt im Zuge der Novelle der Rundfunkstaatsvertr├Ąge, die erstmals die Situation nach der deutschen Wiedervereinigung ber├╝cksichtigt, nun auch den Geb├╝hreneinzug in den Neuen Bundesl├Ąndern.
26.2.1992Der Privatsender Kabelkanal (heute: Kabel1) startet.
30.5.1992Auf Grundlage eines am 30.4.1991 geschlossenen Vertrages von ARD, ZDF und LaSept kann der deutsch-franz├Âsische Kulturkanal Arte den Sendebetrieb beginnen.
29.6.1992Das erste Gespr├Ąch ├╝ber ein ├Âffentliches digitales Mobilfunknetz (D2Privat, heute: Vodafone) im GSM-Standard wird gef├╝hrt. Der Mann mit dem Koffer erregt Aufmerksamkeit - an heutige Allesk├Ânner-„Handys“ war nicht zu denken, denn vor allem die Akkus waren damals „nicht klein zu kriegen“. Und der Boom des Mobilfunks und seiner Anwendungen (z.B. der SMS) war nicht abzusehen.
Mehr: Zur Geschichte des Mobilfunks (heise.de).
7.1992Anl├Ą├člich der Olympiade in Barcelona werden Probesendungen mit analog ├╝bertragenen hochaufl├Âsenden Bildern (HDMAC) durchgef├╝hrt.
30.11.1992n-tv, der Nachrichtensender der RTL-Gruppe, nimmt den Betrieb auf.
3.12.1992Das Mobiltelefon geht den ersten Schritt in Richtung Multimedia: In England wird die erste SMS-Kurztextnachricht verschickt.
1993Sony beginnt mit der Einf├╝hrung der professionellen MAZ-Kassetten Digital Betacam.
1993ARD und ZDF strahlen vom Himmel - sind per Satellitensch├╝ssel analog zu empfangen.
1993Die EU beschlie├čt ein Vierjahresprogramm zur F├Ârderung des Fernsehbildformates 16:9.
1.1.1993Die Privatsender Vox - als Informationskanal der RTL-Gruppe - und das Spartenprogramm DSF (heute Sport1) beginnen den Sendebetrieb.
6.3.1993Der Spielfilmsender RTL2 beginnt den Betrieb.
16.3.1993Ein deutsch-franz├Âsisches Regierungsmemorandum forciert Investitionen f├╝r Europaprojekte f├╝r analoges HDTV - obwohl die Fachwelt davon abr├Ąt und vorschl├Ągt statt des analogen HDTV mit 1250 Zeilen auf die Produktionsreife digitaler ├ťbertragungsverfahren zu warten. Die politische (Fehl-) Entscheidung wirft den europ├Ąischen Entwicklungsanteil zur├╝ck.
30.4.1993Das World Wide Web, seit drei Jahren im Testbetrieb, wird f├╝r die Allgemeinheit frei gegeben.
8.1993Auf der Funkausstellung macht der Mehrkanalton mit Dolby Pro Logic Furore.
Die Firma Schneider stellt dort einen Videoprojektor vor, der mit Laserstrahlen arbeitet und auch auf gebogene Fl├Ąchen verzeichnungsfrei projiziert.
10.9.1993Sendeanstalten, Ger├Ąteindustrie, Netzbetreiber und Verwaltungen vereinbaren das europ├Ąische DVB-Projekt - die Geburtsstunde des digitalen Fernsehens hat geschlagen. Prof. Ulrich Reimers (TU Braunschweig) wird zum Vorsitzenden des Technical Module berufen und ├╝bt diese Funktion bis 2012 aus.
Mehr: Homepage des DVB-Project.
1994Das European Telecommunication Standards Institute (ETSI) verabschiedet die Standards f├╝r digitales Satelliten- (DVB-S) und Kabelfernsehen (DVB-C).
1.1.1994Der Deutschlandfunk (West), der bis dahin durch die USA finanzierte Berliner Sender RIAS und der ehemalige DDR-Sender DS Kultur werden zum Deutschlandradio zusammengefa├čt. Die Anstalt mit Sitz in K├Âln und Berlin veranstaltet nun D-Radio Kultur und den Deutschlandfunk. Es sind die einzigen national verbreiteten Radioprogramme in Deutschland.
Mehr: D-Radio - R├╝ckblick
1.1.1994ARD und ZDF strahlen Filme im Bildformat 16:9 aus - PALplus geht in den Regelbetrieb.
22.2.1994Das Bundesverfassungsgericht erkl├Ąrt das Verfahren zur Festsetzung der Rundfunkgeb├╝hren f├╝r verfasssungswidrig, da eine politische Einflussnahme auf Programminhalte nicht auszuschlie├čen sei (8. Rundfunkurteil).
17.9.1994„Wetten dass ...?“ ist die erste ZDF-Sendung mit Dolby-Surround-Ton.
28.3.1995Der Sat-Betreiber Astra bekommt Konkurrenz. Das Konsortium Eutelsat positioniert seinen ersten Hotbird-Satelliten auf 13 Grad Ost.
10.7.1995Als erster deutschsprachiger TV-Veranstalter stellt 3Sat seine Eigenproduktionen (Programmanteil 15 Prozent) mit der Norm PALplus auf das Bildformat 16:9 um.
Mehr: Siehe auch: ARD Chronik
14.7.1995Die deutsche Firma Pontis stellt auf der IFA den ersten portablen MP3-Player vor, der Musikdaten auf Multimediacards (MMC) speichert und abspielt. Das Ger├Ąt kommt nicht auf den Markt.
26.8.1995Auf der IFA startet Astra Digital Radio (ADR) mit digitalen Programme der ARD und der SRG sowie zehn Privatradios als Nachfogler von DSR vorgestellt. Die Ausstrahlung von 46 Sendern wurde am 30. April 2012 (Ende der analogen Sat-Verbreitung) eingestellt. Die Nachfolge trat DVB-S an.
Mehr: Hintergrund Wikipedia.
17.10.1995Erste Pilotprojekte f├╝r das digitale Radio DAB laufen an. In Bayern werden bereits rund 3/4 versorgt. Ein weiteres Projekt startet in Berlin.
Mehr: Bericht des Spiegel (34/95).
1996Astra testet digitale ├ťbertragungen mit DVB-S ├╝ber seinen auf 19,2 Grad Ost kopositionierten Trabanten 1E.
1996Der Level 2.5 f├╝r Videotext bringt zwar mehr Basisfarben und weitere Gestaltungselemente. Jedoch ist die redaktionelle Bearbeitung zu kompliziert, so dass diese Technik nicht weiter entwickelt wird.
3.1996Der Fernseher zum an die Wand h├Ąngen: Philips zeigt auf der Messe CeBIT Home den Prototypen eines Plasma-Displays mit 42 Zoll Bilddiagonale. Das nur 10 Zentimeter tiefe Ger├Ąt wird ab 1997 f├╝r 15.000 Euro verkauft.
28.7.1996Der Beginn der digitalen Fernsehausstrahlung in Deutschland: Das digitale Bezahlfernsehen DF1, veranstaltet von der Kirch-Gruppe, nimmt den Sendebetrieb ├╝ber Astra auf. Einziges Empfangsger├Ąt f├╝r die verschl├╝sselten Sendungen ist die von Nokia gebaute D-Box, die mit dem bei Kirch entwickelten Verschl├╝sselungssystem Betacrypt arbeitet.
Kirch verf├╝gte aufgrund seines Gesch├Ąftes mit Filmrechten ├╝ber zahlreiche Sendelizenzen, jedoch ├╝ber keine Rechte aktuellen Filmen und Event. Seine PayTV-Rechte f├╝r die Formel 1 waren wirkungslos, dass die Serie bei RTL frei empfangbar war.
DF1 hatte wegen des geringen Angebots und hoher Investitionen und Abo-Kosten nie mehr als 20.000 Kunden.
1997Der Standard f├╝r DVB-T wird von ETSI verabschiedet. Erste Tests beginnen.
1.1.1997ARD und ZDF gehen mit ihrem gemeinsamen Kinderkanal KiKa auf Sendung. Produktionsstandort ist Erfurt.
1.1.1997Als Folge der Verfassungsgerichts-Urteils vom 22.2.1994 wurde die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) neu konstituiert. Sie besteht aus 16 unabh├Ąngigen Experten, die von den Bundesl├Ąndern berufen werden. Aufgabe der KEF ist die Verifizierung der Etatanmeldungen der ├Âffentlich-rechtlichen Anstalten und die Erarbeitung eines Vorschlages f├╝r die H├Âhe der Rundfunkgeb├╝hr.
7.4.1997Der ├Âffentlich-rechtliche Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix, gemeinsam betrieben von ARD und ZDF, sendet.
8.1997Der Pay-TV Veranstalter Premiere beginnt, parallel zu seinen bisherigen analogen Sendungen, mit der digitalen Verbreitung.
29.8.1997Die ARD startet ihr Pilotprojekt ARD Digital. Unter den 16 TV-Programmen sind drei nur digital empfangbare Sender: EinsExtra, EinsMux und EinsFestival. Kurz zuvor wurde das ARD-Playoutcenter in Potsdam in Betrieb genommen.
Gleichzeitig bietet das ZDF sein Digitalpaket ZDF.vision an.
12.1997Im Dezember gr├╝ndet die Bundesregierung die „Initiative Digitaler Rundfunk“ (IDR), in der Politik und Wirtschaft eine gemeinsame Strategie f├╝r den Digitalumstieg erarbeiten wollen.
1.7.1998Das digitale Radio mit der im Rahmen des Europa-Projektes Eureka 147 entwickelten DAB-Technik geht in Deutschland in den Regelbetrieb.
24.8.1998Die Bundesregierung empfiehlt auf Grundlage der Arbeiten in der IDR einen Zeitplan zur Einf├╝hrung des digitalen Fernsehens und Radios in Deutschland: Ab 2010 soll nur noch digital gesendet werden.
9.1998In Berlin, Bayern, Nord- und Mitteldeutschland starten DVB-T-Pilotprojekte.
15.11.1998England beginnt als ersten Land weltweit die Einf├╝hrung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T - als Pay-TV der Plattform ITV Digital. Der Analogbetrieb soll noch auf lange Zeit weitergef├╝hrt werden.
1999Mit dem IEEE-Standard 802.11a wird Kurzstreckenfunk auch im Masseneinsatz praktikabel. Damit ist der Grundstein f├╝r drahtlose Netzwerke - WLAN - geboren. Der Standard wurde seither mehrfach erweitert - u.a. um zus├Ątzliche Frequenzbereiche (teils in einzlenen L├Ąndern), automatischen Frequenzwechsel, Sicherheitsfunktionen. In Deutschland ist Sendeleistungen bis 100 mW im 2,4 GHz-Band und bis zu 4000 mW im 5 GHz-Band zul├Ąssig.
Mehr: Wikipedia-Eintr├Ąge zu IEEE 802.11 und zum WLAN mit 802.11.
1999Die Multimedia Home Platform (MHP), ein Standard aus der DVB-Familie, soll Schlu├č mit dem Stapel propriet├Ąrer Settopboxen machen und allen Programmanbietern, Ger├Ąteherstellern und nat├╝rlich Zuschauern eine offene Plattform f├╝r vielf├Ąltige Anwendungen in einem Ger├Ąt bieten.
4.9.1999Die ARD produziert erstmals mit interaktiven Elementen. W├Ąhrend der Show „Verstehen Sie Spa├č?“ k├Ânnen Fragen beantwortet, Wetten abgeschlossen werden. Technische Basis ist die vom DVB-Projekt f├╝r das Digitalfernsehen entwickelte Interaktiv-Middleware Multimedia Home Platform (MHP).
1.10.1999Die Pay-TVs DF1 und Premiere digital fusionieren zu Premiere World.
9.12.1999Das ZDF startet seinen digitalen Theaterkanal.
31.12.1999500.000 Sat-Haushalte in Deutschland empfangen digital, europaweit sind es 5,9 Millionen.
31.12.1999ARD und ZDF beenden ihre Videotext-Kooperation und bieten eigenst├Ąndige Dienste an.






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